Kleine Geschenke
des Lebens
Eine kurze Geschichte, die gut tut
Es war einmal eine Frau, die ich ab und an im Supermarkt traf.
Stets grüßte sie freundlich und strahlte eine innere Ruhe aus.
Eines Tages nahm ich mir ein Herz und fragte sie:
„Wie, um alles in der Welt machen Sie das? Sie scheinen den ganzen Tag glücklich zu sein“.
Da lächelte die Frau und sagte: „Ich hab da einen Trick“
Sie griff in die Hosentasche und zog eine bunt gesprenkelte Bohne heraus. Dann sagte sie:
„Stecken Sie morgens vor dem Frühstück eine Handvoll Bohnen in ihre linke Hosentasche. Immer, wenn Sie sich fortan freuen, wenn Ihnen was Gutes passiert, dann nehmen Sie eine Bohne heraus und stecken sie in die rechte Hosentasche.“
Ich schüttelte ungläubig den Kopf.
„Das ist alles?“, fragte ich.
Die Frau nickte und lächelte nachsichtig: „So einfach ist das gar nicht. Aber mit ein wenig Zeit und Übung wird es leichter“.
Und tatsächlich, am Anfang fand ich das sehr schwierig…
Trotzdem probierte ich es aus.
Tag für Tag übte ich mich darin.
Für den Duft von frischem Regen wanderte zum Beispiel eine Bohne hinüber und auch für den Gesang einer Straßenmusikantin.
Als ich einen besonders guten Witz auf der Straße hörte, war mir das sogar zwei Bohnen wert.
Mit jedem Tag wurde ich besser darin, kleine Glücksmomente einzusammeln.
Abends vor dem Einschlafen, nahm ich die Bohnen aus der rechten Hosentasche nochmal in die Hand und erinnerte mich an all die kleinen Geschenke des Lebens, die ich früher einfach übersehen hatte.
Anna Voge, nacherzählt von Unbekannt